Zum Dritten: Anliegerversammlung zur Eichenfällaktion „Eekenstraat“

Beginn der Fällaktion am 04. Mai 2015, Foto (C): Manfred Knake

Es rauschte im lokalen Blätterwald ob der Eichenfällaktion ausgerechnet in der Eekenstraat. Für vier neue Bauplätze im geplanten Baugebiet „Oll Schoolpadd“ wurden mehr als zehn Stämme der alten und gesunden Eichen gefällt, in der Brutzeit. Es gab öffentliche Proteste der Anlieger. „Unser“ Bürgermeister Enno Ihnen lud daraufhin zu einer „Anliegerversammlung Eekenstraat/Hoog Warf“ [.pdf Eekenstraat_Holtgast_Einladung] am 19. Mai in der „Haltestelle“ ein, betreffend „Aufhebung der Wallhecke im BG Oll Schoolpadd“.25 Teilnehmer kamen zu der Versammlung, und einer Einwohnerin aus Holtgast drohte sogleich der sofortige Rausschmiss durch Bürgermeister Enno Ihnen, als sie sich kritisch zu dieser Aktion äußern wollte. Des Bürgermeisters Begründung: Sie wohne ja nicht in der Eekenstraat, sondern in der Straße Brandshoff und habe sich deshalb nicht zu äußern. Der Brandshoff liegt aber nur wenige Meter von der Eekenstraat entfernt, aber die Anliegerin äußerte sich anschließend dennoch, in einem Leserbrief (ganz unten).

Fazit der Veranstaltung: Die Sache ist beschlossen, auch die auf Anweisung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises nach den Protesten stehengebliebenen Bäume werden gefällt, nach dem 30.September, so der Bürgermeister. Alle vorgebrachten Bedenken – auch im Bezug auf schwere Baufahrzeuge, die in der Eekenstraat Straßenschäden verursachen könnenwurden nach Teilnehmerangaben ohne richtige Begründungen abgebügelt. Eine Aussage eines Teilnehmers: “Wir waren mit vielen Leuten dort, aber die uns belächelnden Gesichter der Ratsmitglieder haben uns schon beim Reinkommen gezeigt ´wer die Hosen anhat´„.

Ja, das ist die gelebte Demokratie von nicht wenigen sich „erwählt“ fühlender Ratsmitglieder, oft am Bürgerwillen vorbei. Dabei kann man auf der WebSeite holtgast-urlaub.de durchaus Weises zu Bäumen nachlesen: „[…] In vielen Kulturen und Religionen symbolisiert der Baum das Leben. Deshalb betrachtete man Bäume auch als Göttersitze. […]“

Der Sitz der Götter? Kultur in Holtgast. Foto (C): Manfred Knake

In der Tat, „in vielen Kulturen“, aber in Holtgast würde schon die eine Kultur genügen, schonender mit Natur- und Landschaft umzugehen. Diese Holtgast-Urlaub-Seite des Heimat- u. Verkehrsvereins Holtgast e. V. wurde vom Ratsmitglied Hans Hunger erstellt. Dieser Ratsherr vertritt ausgerechnet die Fraktion „Bürgerstimme für die Gemeinde Holtgast (BGH)“. Als vorgeblicher Heimatliebhaber hat er ein ganz besonderes Verhältnis zu Bäumen: Auf der Anliegerversammlung, so wurde von einer Teilnehmerin berichtet, versuchte er die Abholzaktion zu rechtfertigen und die Nachteile von Bäumen zu erläutern: In seinem Garten stehe ein alter Baum, an dessen Fällung er schon öfter gedacht habe. Dort säße nämlich eine Krähe, die ständig Krach mache und ihn störe, und das wäre auch auf die Anlieger der Eekenstraat zugekommen….Also müssten die Anlieger dem Rat der Gemeinde Holtgast doch eigentlich dankbar für das Fällen der Bäume sein, oder was wollte der „Volksvertreter“ damit sagen?

Es soll nicht verschwiegen werden, das es gerade ältere Einwohner in Holtgast gibt, die den Bürgermeister und die Baumfällaktion unterstützen, weil Bäume eben lästiges Laub im Herbst abwerfen. Ginge es nach denen, wüchsen in Holtgast wohl nur Fichten und Tujahecken, oder gar keine Bäume mehr. Bleibt zu hoffen, dass die Anlieger der Eekenstraat einen langen Atem haben und sich rechtlich für den Erhalt der restlichen Eichen wehren!

Nachsatz: Auf der letzten Holtgaster Ratssitzung am 20. Mai kündigte Enno Ihnen an, es werde eine gemeinsame Stellungnahme der Gemeinde Holtgast und des Landkreises Wittmund zu der Eichenfällaktion geben; sind wir also gespannt, wie uns diese Nummer verkauft wird.

Siehe auch:

Gemeindevandalismus: Eekenstraat ohne Eichen

Zum Zweiten: Eichenfällaktion in der Eekenstraat, fehlerhafter Umweltbericht: Wer ist verantwortlich?

Anzeiger für Harlingerland/Wittmund, S. 12, 23. Mai 2015
Rat behandelt den Bürger wie ein unmündiges Kind

Betrifft: Abholzen von Eichen in Holtgast, Anliegerversammlung

Am 19. Mai hatte Holtgasts Bürgermeister Enno Ihnen zu einer Anliegerversammlung „Eekenstraat und Hoog Warf“ geladen. Thema war, so stand es in der Einladung, die „Aufhebung der Wallhecke im Baugebiet Oll Schoolpadd“. Gemeint war die Abholzung von mindestens zehn alten und gesunden Eichen für ganze vier Bauplätze, und das zur Brutzeit. Ich war zusammen mit meinem Mann auf dieser Versammlung. Als ich zum Fällen der Bäume kritische Anmerkungen machen wollte, hinderte mich Bürgermeister Ihnen massiv daran. Begründung: Ich sei kein Anlieger und dürfe deshalb nicht sprechen! Ich wohne aber „um die Ecke“ im Brandshoff und bin genau so betroffen von dieser eigentlich illegalen Baumfällaktion wie die
Straßenanlieger. Wie nicht anders zu erwarten, wurde der
Kettensägeneinsatz vom Bürgermeister und der Planungsgesellschaft GPL
schöngeredet, im Herbst sollen die restlichen alten Eichen fallen,
Widerspruch zwecklos. Dabei sollte diese Wallhecke noch 2002 im
damaligen Bebauungsplan „Hoog Warft“ erhalten werden, Zitat aus 2002:
„Maßnahmen für die Flächen mit Bindungen für die Erhaltung von Bäumen,
Sträuchern und sonstigen Bepflanzungen: Die entsprechend festgesetzten
Flächen sind im Sinne des Wallheckenschutzes nach § 33 NNatSchG zu
erhalten und, wo erforderlich, durch Ergänzungspflanzungen
aufzuwerten.” Damals stimmten genau die Ratsmitglieder für den Erhalt
der Wallhecke, die heute den Kahlschlag unterstützen! Als Wahlbürger
wird man von diesem Rat mit seinem Bürgermeister behandelt wie ein
unmündiges Kind, Amtsausübung nach Gutsherrenart, am Bürger vorbei.
Ratsmitglieder, die dieser Kettensägenaktion zugestimmt haben, sollten
damit rechnen, dass auch sie irgendwann selbst mit dem Stimmzettel
abgesägt werden können. Die nächste Kommunalwahl ist 2016!

Hannelore Planteur, Holtgast

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