Schilfmassaker im Schutzgebiet, Kraniche vertrieben

 

Kraniche bei der Balz auf einem Maisacker, im Hintergrund der Windpark Utgast, Holtgast, März 2014, Foto (C): privat

Das Landschaftsschutzgebiet Leegmoor in Holtgast/LK Wittmund grenzt direkt an das Naturschutzgebiet Ochsenweide (Natura-2000-Gebiet, EU-Schutzgebiet) an. Seit einigen Jahren werden in diesem Bereich von Februar bis in den Sommer Kraniche gesehen und gehört; es liegt also ein Brutverdacht vor. Auch in diesem Jahr wurden aus den Überwinterungsgebieten zurückgekehrte Kraniche im Februar wieder aus dem Landschaftsschutzgebiet oder Naturschutzgebiet gehört. Die Vögel suchen sich sehr versteckte Brutplätze und reagieren empfindlich auf Störungen am Brutplatz. In diesem Jahr wurden mit schwerem Gerät Schilf- und Buschflächen in Richtung vermutetem Brutgebiet zurückgeschnitten, Schilf und Buschwerk großflächig entfernt.

Auf mehrere hundert Meter Länge freigeschnittene Fläche ins Schutzgebiet Leegmoor/Holtgast, April 2017, Foto (C): privat

So wurde ein für Geländewagen gut befahrbarer Weg auf dem anmoorigen Boden hergestellt, der nach einigen hundert Metern an einem Hochsitz endet. Zusätzlich wurde freies Schussfeld für den Jagdansitz auf Rehwild geschaffen. Die Kraniche sind verschwunden.

Der Verursacher soll laut  Naturschutzbehörde des Landkreises Wittmund bekannt sein. „Dem Vernehmen nach“ soll diese verbotene Maßnahme von einem Jagdausübungsberechtigten aus Holtgast veranlasst worden sein. Das Schutzgebiet ist nicht beschildert. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Wittmund hat diesen schweren Eingriff in das Schutzgebiet inzwischen dokumentiert und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Schon im letzten Jahr (2016) wurde im April in der Nähe des vermuteten Brutplatzes mit einer Büchse geschossen, danach verließen mehrere Kraniche laut rufend des Gebiet. 

Zeitungsbericht: Anzeiger für Harlingerland, Wittmund, S.1, 06. Mai 2017

Wertvoller Lebensraum vernichtet ÖKOLOGIE Verstoß gegen den
Naturschutz Im geschützten Biotop „Leegmoor“ bei Holtgast verloren Kraniche ein Rückzugsgebiet.

WITTMUND/SPIEKEROOG/MH/AH – Ein neuer Umweltfrevel beschäftigt die Wittmunder Kreisbehörde: Im Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Leegmoor“, südöstlich von Holtgast, ist eine riesige Fläche Schilfgras mit einem größeren Fahrzeug weggeschlagen worden, auch Büsche und Pflanzen wurden großräumig und unerlaubt entfernt. Die bisher dort heimischen Kraniche finden keinen Lebensraum mehr, werden seitdem nicht mehr beobachtet. Beim Schutzgebiet „Leegmoor“ handelt es sich um Ausgleichsflächen für Eingriffe auf der Insel Spiekeroog. Ziel ist nach Angaben des Landkreises, hier eine große Röhrichtfläche zu entwickeln. Auf der Fläche befand sich gelistete und gesetzlich geschützte Fauna. Bei einem Ortstermin sahen sich Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde nach einem Hinweis aus der Bevölkerung kürzlich das Ausmaß der Zerstörung an. Weder der Landkreis noch die Gemeinde Spiekeroog hatten Kenntnis von dem Vorgang. „Der Verursache konnte ausfindig gemacht werden“, so die Pressestelle des Landkreises. Er muss wegen des Verstoßes gegen die Verordnung über das LSG Leegmoor“ und gegen das Bundesnaturschutzgesetz mit einer empfindlichen Strafe rechnen. In solchen Fällen können Bußgelder bis zu 50 000 Euro fällig werden.


8 Gedanken zu “Schilfmassaker im Schutzgebiet, Kraniche vertrieben

  1. Es stimmt, dass auf dem Naturschutzgebiet Schilf weggeschlagen wurde. Der schlaue Schreiber verschweigt bewusst, dass diese Flächen seit über 60 Jahren freigeschnitten werden. Die Kraniche werden schon seit 2 Jahren nicht mehr gesichtet. Außerdem würden Kraniche in diesem Bereich nie brüten. Kraniche brüten auf offener Flur oder sie bauen sich ein Nest in mindestens 30 cm tiefem Wasser. Herr Manfred Knake liebt es anständige Menschen anzuzeigen. Weiterhin bringt er durch seine ewigen Kommentare das ganze Dorf in Verruf. Herr Knake tut mir leid.Dieser Mensch muss krank sein.

  2. Bingo! Ist der Kommentator, der auch Jäger ist, etwa auch der Verursacher? Werner Eilts kennt sich offensichtlich mit der Materie nicht aus, daher dies zur Klarstellung:
    1) Es ist kein Naturschutzgebiet, sondern ein Landschaftsschutzgebiet, in dem das Schilf und andere Pflanzen rechtswidrig (!) entfernt wurden. Die Landschaftsschutzverordnung des Landkreises Wittmund verbietet es. Die Verordnung trat am 28. Februar 1977, also bereits vor vierzig Jahren, in Kraft.
    2) Die Landschaftsschutzverordnung verbietet u.a. in § 2 „wildwachsende Pflanzen oder Pflanzenteile zu entnehmen oder zu beschädigen, wildlebende Tiere zu stören oder zu schädigen…außerhalb der öffentlichen Wege mit Kraftfahrzeugen zu fahren“. Es gibt keine öffentlichen Wege in diesem Teil des Schutzgebietes.
    3) Dass dort „seit über 60 Jahren gemäht wird“, ist schlicht unwahr. Das wäre mir auch in meiner Zeit als stellv. Naturschutzbeauftragter des Landkreises zu Ohren gekommen. Ich bin zudem 27 Jahre lang täglich auf meinem Arbeitsweg zweimal dort vorbeigefahren. Wenn an versteckten Stellen im Schutzgebiet gemäht wurde, war auch dies eine Ordnungswidrigkeit.
    4) Mehrere Kraniche wurden zuletzt im Februar 2017 dort gehört, nicht nur von mir. Im letzten Jahr, am 25. April 2016 um 17:45h, wurde in der Nähe des vermuteten Brutgebietes mit einer Büchse geschossen, sodass die Kraniche laut rufend aufflogen. Wenn ein Jäger dort Kraniche vertreibt, sollte man ihm den Jagdschein entziehen.
    5) Jäger Eilts sollte wissen, dass Kraniche keineswegs „auf offener Flur“, sondern in unzugänglichen und versteckten feuchten Wald- oder Buschgebieten brüten, also ein Brutvorkommen im direkt angrenzenden Naturschutzgebiet Ochsenweide sehr wohl wahrscheinlich ist.
    6) „Herr Manfred Knake“ hat den Verursacher des Eingriffs gar nicht angezeigt, sondern den Eingriff zuständigkeitshalber der Unteren Naturschutzbehörde in Wittmund mitgeteilt, die die Ermittlungen durchgeführt und den Verursacher festgestellt hat. Mir war der Verursacher gar nicht bekannt.
    7) Wieso bringt man mit dem öffentlichen Hinweis auf derbe Missstände „im Dorf“ dieses in Verruf? Das machen die Akteure schon selber. Herr Eilts verwechselt Ursache und Wirkung.
    8) Herr Eilts ist Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Holtgast, da sollte er sich doch völlig anders zu dem schweren Eingriff in das Landschaftsschutzgebiet äußern. Zu einer glaubwürdigen Arbeit eines Heimatvereins gehören eben nicht nur Bauchtanzabende.
    9) Wegen seiner nichtzutreffenden Diagnose meines Gesundheitszustandes in Verbindung mit meiner vorgeblichen Vorliebe im Umgang mit „anständigen Menschen“ wird Herr Eilts Post bekommen. Er sollte sich schon mal mit dem § 186 des Strafgesetzbuches vertraut machen.
    10) Falls Herr Eilts wirklich der Verursacher des schweren Eingriffes in das Landschaftsschutzgebiet „Leegmoor“ sein sollte, sollte man ihm konsequenterweise den Jagdschein entziehen.

  3. Mit seiner Email vom 15. Mai 2017 an mich nimmt Werner Eilts seine Behauptung zurück, dass ich „krank“ sei und „das Dorf in Verruf bringe“. Er behauptet auch nicht mehr „das bewußte Verschweigen und den Vorwurf der Anzeige“.
    Manfred Knake

  4. Menschen anzuzeigen, Verbote auszusprechen ist zu kurz gedacht. Es wurden schon so viele Menschen vom Naturschutzgedanken abgebracht durch dieses krasse Verhalten. Das macht uns sehr sehr traurig. Irgendwann wird es Menschen wütend machen. Langfristig erreicht man mit Anzeigen Das Gegenteil.

    • Eigentliche schalte ich keine anonym eingegangenen Kommentare frei.Ich mache hier eine Ausnahme, weil der Absender eine Wegwerf-Emailadresse verwendete. Toller Typ! Es fehlte wohl am Mut, offen seine Meinung zu sagen.

  5. Jaja, die Jäger mal wieder. Geben sich ja immer gerne als Hüter der Natur. Schaut man hinter die scheinheilige Fassade erkennt man schnell, dass sie eher als Zerstörer auftreten. Hauptsache man kann ungestört ballern. Dafür wird dann Natur auch mal illegal weggemäht. Was Herr Eilts hier macht ist doch durchschaubar. Nicht derjenige, der hier illegal handelt wird angegangen, sondern derjenige, der illegales bekannt macht. Primitiv.

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