„Gegenwind Utgast“ nicht mehr zu erreichen…

Repowerter Windpark Utgast (Ausschnitt), bis zu 600m an die Wohnbebauung, Foto: privat

…aber einiges wurde vor dem Vergessen „gerettet“.

In Utgast hatte sich eine Initiative zusammengefunden, die gegen die gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Auswirkungen des Rotorenlärms im repowerten Windpark Utgast, Gemeinde Holtgast, vorgehen will. Derzeit ist es still um die Initiative geworden, der Lärm mit dem tieffrequenten Schall indes geht weiter. Aus bisher unbekannten Gründen ist die WebSeite von „Gegenwind Utgast“ nicht mehr erreichbar. Da auf der WebSeite wesentliche Beiträge zur Lärmbelastung und zu einer anstehenden Klage eines Betroffenen veröffentlicht wurden, die nun nicht mehr abrufbar sind, werden hier auf der Holtgast-Ostfriesland-Seite einige, nicht alle, „geretteten“ Beiträge erneut veröffentlicht.

Vorfahrt für die Windkraft oder die Gesundheit der Anlieger? Windpark Utgast (und weitere im Landkreis Aurich im Hintergrund), Foto (C): Manfred Knake

Anfang 2017 wurde eine Umfrage zur Belästigung der Anwohner durch den Windpark gestartet, das Ergebnis ist hier nachlesbar: Umfrage_2017

Im Mai 2017 kam es zu einem Treffen der Betroffenen mit der Landkreisspitze und Betreibern in Wittmund, hier das Protokoll: Protokoll_LK WTM_Mai 12017

Die Utgaster Initiative zeigte auf diesem Treffen eine bemerkenswerte Power-Point-Präsentation, die hier abrufbar ist: Wir sind nicht gegen Windkraft

Die Zeitungsberichterstattung ist in Auszügen hier nachzulesen: AZH_15April2017_Klage_Utgast

Zwei Leserbriefe:  AZH_Nr27_Leserbriefe Utgast

Utgast, Panoramabild, Foto (C): Insa Bock

Nachgelegt: Im Laufe der letzten Jahre wurden bereits sieben Häuser im Einwirkungsbereich des Windparks Utgast verkauft. Käufer waren immer auswärtige Interessenten, denen die Lärmproblematik nicht bekannt war. Es gab auch Kaufinteressenten, die sich vorher erkundigt hatten und dann vom Häuserkauf Abstand nahmen. In Roggenstede im Nachbarlandkreis Aurich, nicht weit von Utgast entfernt, ist es ähnlich. Auch dort standen in den letzten Jahren zwölf Häuser zum Verkauf. Roggenstede ist von Windkraftanlagen umstellt. In den Exposees der Angebote auf Makler-WebSeiten wird nicht selten die Nähe zu Windkraftanlagen gar nicht erwähnt. Hier ein Beispiel von der WebSeite eines Auricher Immobilienmaklers: Zitat: gemütliches Wohnhaus in Damsum (Deichnähe)“ […] „Lage- idyllische, ruhige Wohnlage; Deichnähe; großzügiges Gartengrundstück mit unverbautem Blick über benachbarte Wiesen und Felder; lediglich ca. 3,5 km von Bensersiel entfernt, wo Geschäfte für den täglichen Bedarf sowie sämtliche Freizeiteinrichtungen vorhanden sind; solide Bauweise; Nachtstromspeicherheizung sowie Pelletheizung (Energieausweis ist beantragt); ideal als Ferienhaus geeignet.“

Windpark Utgast: im Vordergrund der Ort Fulkum, im Hintergrund die Insel Langeoog, Damsum liegt hinten rechts im Bild; „unverbauter Blick über benachbarte Wiesen und Felder“ ? Luftbild Juni 2016, Foto: privat

Wer Damsum (Gemeinde Holtgast) kennt weiß, dass das Dorf direkt an den Windpark Utgast angrenzt. Auch von Damsumer Einwohnern gibt es Lärmbeschwerden über den nahen Windpark mit über 40 Anlagen.

Ein weiteres dreistes Beispiel aus Ort Schwittersum, Gemeinde Dornum im LK Aurich: Hier wurde eine störende Immobilie von Windparkbetreibern aufgekauft. Der vorherige Besitzer hatte jahrelang vergeblich gegen den Lärm der Rotoren geklagt und schließlich entnervt verkauft. Das Haus wurde 2014 nach dem Kauf im Internet als Ferienwohnung zur Vermietung mit diesem Text angeboten:

Genießen Sie Ihren Urlaub fern ab von Stress und Hektik. In der Umgebung werden die Kräfte der Natur genutzt: Es gibt Grünland, Milchvieh und Windenergie.[…] Genießen Sie den herrlichen Blick über Wiesen und Felder und lassen Sie hier die Seele baumeln.[…]“

Durch den Hausankauf konnten weitere Windkraftanlagen in unmittelbarer Nachbarschaft genehmigt werden, die vorher durch das Wohnhaus im Immissionsbereich nicht genehmigungsfähig gewesen wären. Allein im Bereich Dornum stehen ca. 120 Windkraftanlagen.

Windpark bei Dornum. Im Bild die Kirche von Roggenstede im Landkreis Aurich, nicht weit von Utgast entfernt. Foto: privat

Es gibt bereits Windparkanwohner, die bei bestimmten Windrichtungen und Windstärken nur noch außerhalb ihrer Wohnungen schlafen können und dann kurzfristig „umziehen“. Vor Buchungen von Ferienwohnungen wird von Urlaubern schon angefragt, ob es in der Nähe Windkraftanlagen gibt.

Nachtrag 15. August 2017 (oder die Kunst, einen Windpark verschwinden zu lassen): Die windkraftkritische Seite „Gegenwind Utgast“ wird nun weitgehend nicht mehr bei google gelistet. Die letzten Einträge laufen auf die Jimdo-Seite zur WebSeiten-Erstellung. Gestern war der Link im google-cache noch verfügbar. Auch der Cache wurde inzwischen weitgehend entfernt. Nur die „Datenschutzerklärung“ und „Leserbriefe“ finden sich noch beim Suchwort „gegenwind utgast cache“, führen aber dann beim Anklicken leer auf die Jimdo-Werbeseite. Da hat gestern jemand gründliche Vergangenheitsbewältigung betrieben! Leider nur vergeblich, alles was im Internet raus ist, taucht irgendwo wieder auf. Oder: Die Zahnpasta, die aus einmal der Tube gedrückt wurde, kann man nicht wieder in sie hineindrücken. Um Gerüchten vorzubeugen: Anlass der Seitenlöschung war das durchaus verständliche Verkaufsangebot eines privaten Wohnhauses durch ein Anliegerehepaar, also rein private Gründe. Ob das aber die Löschung der gesamten WebSeite rechtfertigt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ein weiterer Anwohner, der ebenfalls stark durch die Winkraftanlagen gesundheitlich belastet ist und der auch einen Gewerbebetrieb in Utgast hat, lässt weiterhin eine Klage von einem Anwalt vorbereiten und ist für die vollständige Seitenlöschung, auch im Cache, nicht verantwortlich.

Links:


Beim Wattenrat Ostfriesland sind weitere Details zum Windpark Utgast abrufbar, wohl bekomm´s! http://www.wattenrat.de/tag/utgast/ (bitte scrollen!)

Ein Gedanke zu “„Gegenwind Utgast“ nicht mehr zu erreichen…

  1. „Gegenwind“ hat’s nie gegeben – Digitale Amnesie

    Zwangsläufig tritt die Blockade und Abschaltung der gesamten Fakten-Doku und Widerstands-Chronik das so sachliche wie verzweifelte Bemühen um gesundheitliche und wirtschaftliche Unversehrtheit aller anderen Betroffenen zusätzlich nieder und verrät in diesem Konflikt das Heft des Handelns an die Makler, die mit – alsbald wissenschaftlich fundierter, siehe unten – Geringschätzung den Immobilienschrott im WEA-Wirkbereich ohne jegliches eigenes Haftungsrisiko an Ahnungslose zu verwerten wissen.
    Anstatt neben der steten Körperverletzung in WEA-Nähe nun auch den unbestreitbaren Wertverlust der Immobilie in robuste Schadensersatzforderungen zu kleiden, enthaupten die Abschalter die einstige Gegenwehr, löschen die Chronik als kollektives Gedächtnis und praktizieren die digitale Amnesie.

    Im Braunkohle-Tagebau übrigens werden von Rheinbraun ganze Dörfer weggebaggert, aber die Einwohner werden vom Betreiber zumindest so sachgerecht entschädigt, daß sie sich anderswo eine neue Existenz bauen können!

    Warum digitale Amnesie ?
    Wer als Verkäufer die mängelfreie Beschaffenheit des Objekts zusichert, wirft eine Rechtsfrage auf. Im Zweifel aber liegt die Beweislast beim Käufer. Die Last wird größer und die Beweisfrage erschwert, wenn alle Anhaltspunkte gründlich aus dem Netz getilgt sind. Dem steht jedoch entgegen der zur Zeit öffentlich geführte bzw. zu führende Nachweis der gesundheitlichen Beeinträchtigung, die auf den Wohnhäusern im Wirkungsbereich der WEA liegt.
    Das ist die Zahnpasta, die aus der Tube raus ist und die auch nicht mehr reingeht, selbst wenn der Verkäufer per Notarvertrag „versichert, daß ihm keine versteckten Mängel bekannt sind“ (da er sich doch gerade noch um deren gerichtsfesten Nachweis bemüht hat) und stellvertretend der Makler den Sachverhalt umlügt: „Die Lage ist ruhig; m.E. gibt es keine wohnlichen Beeinträchtigungen, man wohnt halt auf dem Land, Windenergieanlagen sind natürlich in dieser Gegend nicht weg zu diskutieren“…!

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