Zum Zweiten – Acht Steine für Moorweg

Ups, falscher „Findling“ im Moorweger Findlingsgarten, Foto (C): Jürgen Lohs

Acht Steine für Moorweg – zum Zweiten

von Jürgen Lohs, Moorweg, 09. August 2015

„Findlinge nun mit Namensschildern“: Anzeiger für Harlingerland vom 08. August 2015

Während andere landauf, landab noch Mittelalter feiern, ist Moorweg selbstredend einen Rückschritt weiter: im Goldenen Steinzeitalter. „Namensschilder“ zur besseren Unterscheidbarkeit der acht Findlinge im sog. Findlingsgarten preist der Anzeiger für Harlingerland nun schon zum zweiten dortigen PR-Event und wer jetzt glaubt, die Wackersteine hießen folgerichtig Jürgen, Stephan, Heinz, Gerold, Ingo oder Dirk-Wilhelm, sieht sich mit dieser Alleinstellung abermals hinter’s Licht geführt – sie heißen nämlich auch wieder nur so wie die abertausenden in den anderen ostfriesischen Vorgärten: Smaland-Granit, Hälleflinta, Brauner Ostseequarz etc. – insoweit nichts Neues.

Findling mit Namensschild und Beilage – die Hinterlassenschaft eines norwegischen Trolls? Foto (C): Jürgen Lohs

Gleichwohl aber betont die Berichterstattung diesmal „die vollkommen unterschiedlichen Ausstellungs-Steine“ – potztausend- weiß doch der gewiefte Findlingsgärtner mit dem mineralen Daumen, daß andernorts solche Steine sich gleichen wie ein Ei dem andern. Die wissenschaftliche Reputation des beratenden Professors dazu vermag ich nicht zu beurteilen; als er vor 15 Jahren in den Ruhestand ging, steckte mein Interesse am Moorweger Kulturgut noch in den Kinderschuhen.

Noch ein schräger Findling in Moorweg; Foto (C): Jürgen Lohs

Und bei so viel Fördertum und Unterstützerei, deren betonte öffentliche Präsentation ja wohl das Fremdschämen und die Schockstarre der Moorweger Einwohner kompensieren soll, möge man nicht verkennen, daß der genannte „Sponsor und Unterstützer“ Stephan Eilts ja auch der Moorweger Gemeindearbeiter und sein gleichzeitiger Ratsherr ist, dem solche Ehrenhaftigkeit sehr gut, nämlich tariflich, bezahlt ist und dem von Bürgermeister Schröder augenzwinkernd nachgesehen wird, daß er sein letztes Asphaltkontingent im Schooer Wald verklappt hat, anstatt pflichtgemäß die Moorweger Schlaglöcher damit zu reparieren, und er dem Bürger, der ihn ertappte, steinzeitlich stilgerecht den Stinkefinger zeigte. Somit man deshalb auf den Wegen dorthin sich so trefflich den Hals brechen kann, ist der Besuch solch skurriler Kulturgüter für die Bürger weitgehend verzichtbar. Allgegenwärtig also ist die Moorweger Steinzeit, und auf dem langen Weg in die Zivilgesellschaft müssen Ortsvorsteher und einzelne Ratsherrn als Vertreter dieser Politkultur wohlwollend und verständnisvoll von den Bürgern weiter begleitet werden. Ein weitergehender Vorschlag aber wäre noch, die Findlinge statt mit Namens- mit Preisschildern zu versehen !

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