Gegen Windkraft in Ochtersum und Fulkum/Holtgast: heftige Bürgerproteste

Die Lokalzeitung „Anzeiger für Harlingerland“ in Wittmund berichtete bemerkenswert ausführlich, kritisch und mit einem Kommentar versehen über die Windparkpläne in Ochtersum (auch schon Ochtersumpf genannt), Samtgemeinde Holtriem im LK Wittmund/NDS und in Fulkum/Gemeinde Holtgast. Auch hier: ein sehr kreativer Umgang mit der Wahrheit durch den Ochtersumer Bürgermeister Pfaff. In der Samtgemeinde Holtriem im Ort Westerholt wohnen die Windkraft-Großinvestoren der Firma „Norderland“, Heinz Böttcher und Johann Eisenhauer und der Produktionsleiter des Anlagenherstellers Enercon, Klaus Peters, dessen Schwiegervater der Kämmerer der Samtgemeinde Holtriem war. Peters ist auch Mitglied im Wirtschaftsförderkreis des LK Wittmund. Der kürzlich bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückte Günter Eisenhauer aus Westerholt, Bruder von Johann Eisenhauer, war anfänglich an Holtriemer Windparks beteiligt und zuletzt im Offshore-Windenergiegeschäft tätig. Der sehr wirtschaftsnahe ehemalige Lokalpolitiker und spätere Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) wohnt ebenfalls in Westerholt.

Karte der Windkraftanlagen im Bereich Dornum, Roggenstede, Ochtersum und Holtgast: es reicht! Die gelben Punkte mit den Kreuzen direk an den Orten sind Immissionsmesspunkte

Allerdings, der Satz im Zeitungskommentar zu den 300 Unterschriften „Das hat es im Landkreis Wittmund noch nicht gegeben“ muss relativiert werden: 1994 wurden bereits gegen den Windpark Utgast in der Nachbargemeinde Holtgast mit 50 Anlagen mehr als 300 Unterschriften gesammelt, vergeblich ( „Dallas in Utgast“ aus dem Ostfriesland Magazin 10/1994, .pdf WKA_Utgast_OMA_1994). Die Gemeinde Holtgast und der Hersteller Tacke vereinbarten damals eine Zahlung von Tacke an die Gemeinde in Höhe von 500.000 DM, wenn der Windpark „behördlich genehmigt“ werde. Nach staatsanwaltlichen Ermittlungen wurde die Vereinbarung in eine „Schenkung“ mit Hilfe der damaligen Bezirksregierung Weser-Ems und des damaligen Oberkreisdirektors umgewandelt, Tacke zahlte schließlich nur 350.000 DM an die Gemeinde.

Schallprognosen für den geplanten Windpark Ochtersum. Die Schallprognosen haben mit dem später tatsächlich auftretenden  Lärm häufig nichts mehr zu tun, es wird lauter als prognostiziert! Mehr als 50 Häuser liegen innerhalb des 1000 Meter-Abstandes zu den Anlagen.

Politiker, die sich am Beispiel der Flächenausweisung für Windparks so massiv über Bürgerbedenken hinwegsetzen, sind nicht wählbar. Das sollte bei der nächsten Kommunalwahl 2016 deutlich werden!

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund/NDS, S. 1, 2, und 7

12. September 2015

Zum Ende der Woche

von Manfred Hochmann

Bedenken so groß wie nie

Das Wort Energiewende hat für die Bürger in der Samtgemeinde Holtriem, aber auch im angrenzenden Fulkum und Dornum, mittlerweile einen bitteren Beigeschmack. Eine ursprünglich gut gemeinte Sache wird für sie mehr und mehr eine Gefahr für Leib und Seele. Wer sich die Landkarte mit den schon vorhandenen und geplanten Windenergieanlagen im Landkreis Wittmund anschaut, wird erkennen, dass gerade der Bereich Holtriem- Dornum-Fulkum schon jetzt eminent belastet ist. Dennoch wird munter drauf weiter geplant. In Ochtersum sind zehn weitere Anlagen mit einer Nabenhöhe von bis zu 196 Metern so gut wie beschlossene Sache. Rat und Gemeindespitze sind dafür, der Investor steht in den Startlöchern. Wären da nicht die Bürger – annähernd 300 Einwendungen haben sie gegen den Windpark Ochtersum eingereicht. Das hat es im Landkreis Wittmund noch nicht gegeben. Die Kreisverwaltung musste aufgrund dieses geballten Protestes sogar den Erörterungstermin verschieben. Interessant dabei ist, dass die Einwendungen nicht nur aus Ochtersum, sondern auch aus Roggenstede und Holtgast kommen. Die Bürger fühlen sich von der Gemeinde und vom Rat alleingelassen. Eine Abstimmung mit denen, die gegen den Windpark sind, finde kaum statt, beklagen sie. Dieses Gefühl macht sich vielerorts breit: Da kommen Investoren, die schnell Politik und Verwaltung mit ins Boot holen, aber nicht diejenigen, die später mit den Anlagen leben müssen. Und es endet nicht die Kritik, dass es ihnen nicht um die Energiewende geht,sondern nur um eines: Profit.

@ Den Autor erreichen Sie unter manfred.hochmann@harlinger.de

300 Mal Nein zum Windpark

ENERGIE Erörterungstermin für Ochtersum musste verschoben werden Am 6. Oktober sollen die Einwendungen der Bürger in Blomberg behandelt werden.

VON MANFRED HOCHMANN

OCHTERSUM/WITTMUND – Die Bürgerbedenken gegen den geplanten Windpark

Ochtersum mit zehn weiteren großen Anlagen sind geballt. Nach Angaben des Landkreises Wittmund sind gegen die Pläne annähernd 300 Einwendungen eingegangen. Das sind so viele, dass der für den 15. September geplante Erörterungstermin auf den 6. Oktober (15 Uhr, Gaststätte „Dörpkroog“ in Blomberg) verschoben werden musste. Wie groß die Sorgen der Bürger wegen der Windkraftplanungen sind, zeigte sich auch am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung in Ochtersum, zu der Bürgermeister Franz Pfaff eingeladen hatte. Der Saal im Gemeindehaus war voll. Hier brachten die Anwohner nochmals ihre Bedenken vor – sie befürchten vor allem gesundheitliche

Beeinträchtigungen durch Lärm und Infraschall. Aber auch den Naturschutz und den Tourismus sehen sie durch die riesigen, bis zu 196 Meter hohe Anlagen gefährdet.

Unsere Bedenken gegen das geplante Windindustriegebiet konnten in keinster Weise entkräftet werden“, zog Georg Janssen für die Bürgerinitiative ein vernichtendes Resümee. Bürgermeister Franz Pfaff sprach von einer insgesamt „sachlichen Versammlung“. Die Gemeinde nehme die Sorgen der Bürger durchaus ernst. So werde dem Investor „Norderland“ unter anderem vorgegeben, dass die Anlagen nachts von 22 bis 6 Uhr stark zurückgefahren werden. Man verlasse sich darauf, dass der Investor dies einhalte. Seite 7

Seite 7:

Keine Annäherung in Sicht

ENERGIE Nein vieler Bürger zum Windpark

Ochtersum wird wieder einmal deutlich Bei einem Info-Abend prallen die gegenseitigen Auffassungen zu den Plänen aufeinander.

OCHTERSUM/MH – Die Pläne für zehn weitere große Windenergieanlagen sind schon weit gediehen. Sie sind sozusagen unterschriftsreif und liegen dem Landkreis zur abschließenden Abstimmung vor. Doch da hakt es im Moment – denn gegen den geplanten Windpark sind annähernd 300 Einwendungen von besorgten Bürgern eingegangen (Seite 1). Der Ochtersumer Bürgermeister Franz Pfaff weiß um die Sorgen; und er nimmt sie ernst, wie er immer wieder betont. Die Anzahl der Anlagen sei von zwölf auf zehn reduziert worden. Nachts sollen die Anlagen heruntergefahren werden, so Pfaff. Weitere Auflagen habe man vorgegeben. Überdies lägen nur „zwei oder drei Gehöfte bei den Mindestabständen unter 1000 Meter“, so der Bürgermeister.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) widersprechen. „Die Behauptungen von Franz Pfaff, es würden sich ,nur’ drei Häuser im 1000-Meter-Bereich befinden, ist falsch. Mehr als 50 bewohnte Häuser stehen im 1000-Meter-Bereich“, so Georg Janssen, einer der BI-Sprecher. Neben den gesundheitlichen Gefahren für die Anwohner befürchten die Ochtersumer auch starke Beeinträchtigungen für den Tourismus, einen Werteverfall der Häuser und vor allem auch Gefahren für den Naturschutz.

Auf der Info-Veranstaltung räumte Bürgermeister Pfaff gewisse „Schwierigkeiten“ am Punkt Umwelt ein. Er zeigte sich aber zuversichtlich, diese „Probleme“ aus der Welt zu schaffen. Das sieht die Bürgerinitiative naturgemäß anders. Georg Janssen etwa hat der Kreisverwaltung hunderte von Fotos mit seltenen Vogelarten im Bereich des geplanten Windparks vorgelegt. „Wir haben die Wiesenweihe hier, ebenso die Kornweihe, beide stehen unter Schutz.“ Janssen beklagt, dass die Gemeinde darauf bisher kaum reagiert habe. „Auch auf dem Informationsabend wurde alles schöngeredet“, so Janssen.

Bürgermeister Franz Pfaff ist um einen Ausgleich bemüht, das betont er im Gespräch mit unserer Zeitung immer wieder. „Ich verstehe die Sorgen – etwa bei möglichen Schäden an Häusern, bei möglichen Lärmbelästigungen. Aber wir versuchen in Abstimmung mit dem Investor ,Norderland’ alles, um diese negativen Auswirkungen so gering wie möglich zu halten“, betont Pfaff. So soll es unter anderem später regelmäßige Schallmessungen geben. Am grundsätzlichen Plan aber für den Windpark halte man fest, da lässt der Bürgermeister keine Zweifel aufkommen. Die Bürgerinitiative möchte ihn hingegen komplett verhindern, akzeptiert auch keine „abgespeckte Form“. Das letzte Wort hat nun der Landkreis Wittmund. Nach dem Erörterungstermin am 6. Oktober ab 15 Uhr in der Gaststätte „Dörpkroog“ in Blomberg wird man vielleicht etwas schlauer sein.

Ebenfalls ausführlich wurde über die Versammlung der neu gegründeten Bürgerinitiative gegen weitere Windkraftanlagen in Fulkum, Gemeinde Holtgast, berichtet. Von den elf Ratsmitgliedern der Gemeinde nahm nur Gerhard Frerichs (Neue Liste) als Zuhörer Teil, der Ortsbürgermeister Enno Ihnen hatte sich urlaubsbedingt entschuldigt. Die Ratsmitglieder, sonst immer flink dabei, wenn es um das Hochheben der Hände für noch mehr Windkraftanlagen in der Gemeinde geht, zeigten eindrucksvoll und geschlossen ihr Desinteresse. Hinrika Braams (FWG) und ihre Verwandschaft ist selbst an dem Windpark Utgast finanziell beteiligt. Die abwesenden Ratsmitglieder hätten viel von den Ausführungen des Referenten von „Vernunftkraft Niedersachsen e.V.“, Matthias Elsner, zur tasächlichen „Leistung“ der Windkraftanlagen und deren marginalen Rolle in einer ohnehin fragwürdigen „Energiewende“ lernen können. Leider kamen die informative Präsentation von Matthias Elsner mit Fakten und Zahlen in der Berichterstattung zu kurz.

Anzeiger für Harlingerland, Wittmund/NDS, S. 1 und S. 6, 14 Sept. 2015

Holtgaster Windmühlenpläne offensichtlich gekippt Versammlung – Bürgerinitiative Fulkum hat trotzdem Angst vor weiteren Anlagen

FULKUM/WJA – Beifall brandete auf als Sprecher Harry Persigla auf der ersten öffentlichen Versammlung der Fulkumer Bürgerinitiative „Gegen weiteren Windmühlen-Wildwuchs“ am Freitagabend in der „Alten Schule“ ein Grußwort von Esens’ Samtgemeindebürgermeister Harald Hinrichs vorlas. Darin hieß es, der Samtgemeindeausschuss habe die Planung von drei weiteren Windmühlen in Hartsgast eingestellt. Doch für die Bürger Fulkums ist dies nur ein kleines positives Signal, schließlich ängstigen sie sich weiterhin vor einer Umzingelung ihres Dorfes mit sich in Planung befindlichen zusätzlichen Anlagen in den angrenzenden Ortschaften Ochtersum und Roggenstede. Ein Fazit des Abends war, dass die vor einigen Jahren von der Bundesregierung eiligst ausgerufene Energiewende über den Windkraftausbau zu einer sozialen Spaltung geführt hat.

Als Zusammenschluss verschiedener Initiativen denktVernunftkraft“ über juristische Mittel nach. Die Fulkumer wollen vielleicht Unterschriften sammeln. Seite 6

Seite 6:

„Windmühlen tragen nicht zur Energiewende bei“

Protest – Fulkumer fürchten weitere Anlagen in Nachbargemeinden – Bürgerinitiativen schließen sich immer mehr zusammen Die Windparks würden einfach geplant und die Bürger nicht gehört werden. Grauzone zur Korruption sei erreicht.

Fulkum/WJA – Es ist fraglich, ob bei der seit einigen Jahren von der Bundesregierung stark forcierten Energiewende schon mal über die Konsequenzen für den sozialen Frieden in den ostfriesischen Dörfern nachgedacht wurde. Der ist vielerorts nämlich nicht mehr gegeben: So nahmen an der ersten öffentlichen Versammlung der neu gegründeten Bürgerinitiative (BI) „Gegen den weiteren Windmühlen-Wildwuchs“ in Fulkum in der „Alten Schule“ zwar etwa 50 Einheimische teil, doch nur einer der elf für dieses Gebiet zuständigen Holtgaster Ratsherrn fand den Weg zu der von BI-Sprecher Harry Persigla geleiteten Versammlung.

Passend zum letzteren Punkt wiederholte Naturschützer Manfred Knake den schon häufig in Berichterstattungen erhobenen Vorwurf, Ratsherrn organisierten sich als Anteilseigner mit einem Windpark gleich selbst eine zusätzliche Einnahmequelle. Und Knake ging noch einen Schritt weiter: „Auch der Landkreis Wittmund als Genehmigungsbehörde ist mit der Windenergie verquickt.“ Insgesamt betrachtet sei bei den entsprechenden von der Kommunalpolitik getroffenen Entscheidungen „die Grauzone zur Korruption erreicht“.

Neben Fulkumern nahmen auch Vertreter umliegender Bürgerinitiativen an der Zusammenkunft teil – schließlich machen die Schallemissionen der Windkraftanlagen nicht vor Gemeindegrenzen halt. Zudem wurden Windmühlen in der Vergangenheit gerne an der Grenze zu benachbarten Kommunen errichtet. Die anwesenden Bürgern trugen dann die schon viel gehörte Kritik an den Ausbau der Windenergie in unserer Region vor:

Die Windparks würden einfach geplant und die Bevölkerung nicht gehört werden. Der Bürger habe die Beweislast, wenn er gesundheitliche Beeinträchtigungen geltend machen wolle. Außerdem gebe es einen „Behörden- Pingpong“, keine Verwaltungseinheit fühle sich für die Anliegen Betroffener zuständig.

Speziell auf die Situation in Fulkum wiesen neben Persigla mit Jürgen Standfuß, Herbert Cassens und Carmen Gerdes die drei weiteren Gründer der örtlichen BI hin. Standfuß und Cassens zeigten eine beeindruckende Karte, auf der alle Windmühlen in Dornum, Holtriem und Holtgast kenntlich gemacht waren: Hunderte von Anlagen säumen inzwischen diesen Landstrich. Die Anwesenden sprachen nicht mehr von „Windparks“, sondern von „Windwäldern“. Und die Bürger fürchten noch mehr Mühlen, denn die Gemeinde Ochtersum plant zehn weitere an der Grenze zu Fulkum, und der Windpark im benachbarten Roggenstede soll weiter verdichtet werden. 

Die aus Sicht der Anwesenden einzige gute Nachricht verkündete Persigla beim Verlesen eines Grußwortes von Esens’ Samtgemeindebürgermeister Harald Hinichs: Der Samtgemeindeausschuss votierte gegen drei neue Windkraftanlagen in Hartsgast.

Als besonderer Gast war mit Matthias Elsner der Landesvorsitzende von „Vernunftkraft Niedersachsen“ anwesend. Dieser Verein fungiert als übergeordneter Verband, viele einzelne Bürgerinitiativen haben sich bereits in ihm zusammengeschlossen. Elsner erläuterte, dass Deutschland nur einen absolut marginalen Anteil seines Energiebedarfs über Windenergie decke. Außerdem sinke in Deutschland der Energiebedarf durch eine immer effizientere Energienutzung. Der Bereich der Windenergie werde nur aufgrund der hohen Profitmöglichkeiten ausgebaut. „Die Windmühlen tragen nicht zur Energiewende bei“, schloss Elsner.

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