Esenser Ratiophobie, der Schultz-Affekt

Im Rat der Stadt Esens gibt es die CDU im Doppelpack: einmal die Gruppe „Bürger für Bürger-CDU“ u.a. mit dem Ratsherrn Erwin Schultz, und die „Neue CDU“, die eigentlich die alte CDU ist. Erwin Schultz als Verwaltungsfachmann legte sich mit den für die Steuerzahler teuren Politikinhalten der alten CDU, die nun die neue CDU ist, an, verließ diese und ist nun für die BfB-CDU tätig. Nur gelingt es der BfB-CDU nicht immer, ihre durchaus nüchterne und fachliche Arbeit auch in der Lokalzeitung unterzubringen. Jürgen Lohs aus Moorweg hat es kommentiert:

Prolog :

Angesichts der letzten Selbstbeweihräucherung der „Neuen CDU“ Esens vom 23.11.2015 zum Wahlkampfauftakt („bewährte Kräfte und Beständigkeit“),
* angesichts der öffentlichen Selbstbeweihräucherung der Esenser Ratsmehrheit in Sachen Tourismusbetrieb Esens-Bensersiel (TEB/GmbH) -Vertrag vom 14.12.2015 („hervorragende Basis“),
* angesichts der unprofessionellen, gedanken- und recherchefreien Harlinger-Hofberichterstattung vom 16.12.2015 dazu („Peilung neu genommen“),
* angesichts der schon kampagnenhaften Selbstbeweihräucherung des Harlinger-Journalismus durch dessen Chefredakteurs-Kommentar vom 30.01.2016 („Werte und Wahrheit“) und

* angesichts schließlich der Zusatzbeweihräucherung zur o.b. Selbstbeweihräucherung durch des Redakteurs Nachbarschafts-Leserbrief vom 03.02.2016 („Danke an Klaus-Dieter Heimann“),

sah sich der Verfasser zur Verteidigung seiner intellektuellen Unversehrtheit genötigt, als unabhängiger Dritter gleichfalls eine Beweihräucherung zu fertigen – Notwehr !

Zwischen Ratiophobie und Schultz-Affekt

Zum Bericht des „Anzeigers“ vom 16.12.15 hatte ich leserbrieflich angeregt, die leere Fußnote über Ratsmitglied Schultz, er habe „eine Vielzahl von Bedenken“ zum Ratsbeschluß und TEB/GmbH-Vertrag geäußert, doch zum Anlaß zu nehmen, diese zu überliefern und zu besprechen. Leider verzichteten Redaktion und Ratsmitglieder und überließen die Würdigung des bezeichneten Ratsbeschlusses bequemerweise der Kommunalaufsicht – mit erwartbarem Ergebnis der Rüge in zahlreichen Punkten.

Nun, da wir schon das Phänomen der Esenser Ratiophobie kennengelernt haben, wollen wir uns also dem sogenannten Schultz-Affekt widmen, der mit dem vorgenannten korrespondiert. Dessen Namensgebung geht zurück auf den Mitbürger Erwin Schultz, seit 2011 Mitglied des Esenser Stadtrates für die wahre CDU – abzugrenzen von einem Nachbau, der sich Neue CDU nennt, das Gegenteil ist und als Plagiat längst von den Zollbehörden hätte geschreddert sein sollen.

Der Affekt ist der Bruder der Phobie, sie gehen oft Hand in Hand durch die politische Landschaft und lieben sich gelegentlich – mit vorhersehbar ungesundem Ergebnis:

(Die Internetseite bfb-cdu-esens.de liefert dazu die unfrisierte Informationslage, hinter der die lokale Berichterstattung zwar regelmäßig zurückbleibt, sich gleichwohl dort bedient.)

Am Beispiel Tourismusbetrieb Esens-Bensersiel waren dies: Warnung vor dem Haustarifvertrag, vor rechtswidriger Kündigung, vor Aufstockung des städtischen Stammkapitals, vor der Struktur des Gesellschaftsvertrags (s.o) in zahlreichen Mängelpunkten; Beispiel Altenwohnungen, deren subversives Verhökern sich derzeit wohl anbahnt; höchstrichterliches Beispiel Umgehungsstraße, zu dem jedweder weitere Kommentar überflüssig ist; Beispiel Bauen im Rand- und Außenbereich; Beispiel Leerstandspflicht für Hauseigentümer im Innenstadtbereich bei Verbot von Wohnumnutzung (Ratsmitglied Mammen, Grüne: „positive Innenstadtentwicklung“); Beispiel Liquiditätskatastrophe und Haushaltsentwicklung in Esens usw. usf. – auf weitere inhaltliche Vertiefung sei verzichtet, weil hier das Phänomen selbst interessiert – auf die katastrophalen Folgen für die Stadt Esens wurde die Ratsmehrheit jeweils vorab von Ratsmitglied Schultz hingewiesen.

Warnungen, Hinweise, Appelle, Folgen, stets gekleidet in dessen sachlich fundierte Ratsanträge, deren Zutreff und Berechtigung später in der Regel vom zeitgeschichtlichen Verlauf, von Gerichten oder von der Kommunalaufsicht bestätigt werden, waren und sind zumeist schon vor ihrer Abstimmung einer reflex- wie rätselhaften Ablehnung durch die Ratskollegen preisgegeben. Aber offenbar sollte, wer diesen Akteuren die Hand reicht, vor allem mit einer Bißwunde rechnen.

Und der Betrachter neigt inzwischen dazu, den umtriebigen Ratsherrn bereits eines vorangegangenen sinnvollen Vorschlags nur zu verdächtigen, wenn wieder irgendwo politischer Unsinn zutage tritt.

Wie kommt’s, lautet die Fragestellung, daß sich Menschen wohl automatisiert gegen nachweislich Plausibel-Vernünftiges verhalten, das Gegenteil des Erforderlichen tun und sich regelhaft zum Gebot des Sachverstands in Widerspruch setzen?

Ältere Politikwissenschaftler, Ethnologen und Anthropologen tippen auf den Homo australopithecus ; von den Antipoden eingewandert mit Findlingen, ließ er diese in Moorweg liegen und sich am Stadtrand nieder; früh machte er nicht nur mit leerem Beutel große Sprünge (Volksmund !), sondern kriegte dabei noch den eigenen Bumerang an den Kopf.

Neuere Forschungsrichtungen wiederum – zwei Gelehrte, drei Meinungen! – diskutieren als ursächlich die Hormone, diese rätselhaft bunten Brausepulver der Natur, die für manches verantwortlich aber nie haftbar sind; und aktuelle Studien verdächtigen gar die Hypophyse: Sie setze Botenstoffe und Freßzellen frei, die einander ködern und vernichten.

Der Affekt jedenfalls, soweit sind sich alle einig, entspringt nicht dem Nachdenken bzw. der wertenden Handlungsleitung aus evolutionärem Fortgang, sondern dem Situationsreflex aktueller Eigenortung: „Ich bin … also dagegen!“ Er dient der Selbstvergewisserung, dem Grenzentest, der Orientierung im Milieu, im Laufstall, im Ortsverein etc. – und wächst sich raus (Trotzphase, Pubertät, Legislaturperiode, Ermittlungsverfahren, Bewährung etc.). 68’er Eltern konterkarierten dies erfolgreich mit Fernsehpflicht bis zum Morgengrauen, dann Zähneputzverbot und mit Schokolade ins Bett!

Ob dieser Disposition also muß man Ratsmitglied Erwin Schultz bis auf weiteres außerordentlich dankbar sein, daß er seine Ratskollegen noch nicht zu gewaltlosem, friedfertigen Umgang mit dem Bürger aufgerufen hat – es wäre infolge damit zu rechnen, daß sie auf den nächsten Nachbarn losgehen …

Jürgen Lohs, Moorweg, 07.02.2016

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