Windenergie und Landschaftsbild: bloße Geschmackssache?

Historische Marschenlandschaft: Windpark Utgast, Gemeinde Holtgast, LK Wittmund/NDS, nur 1,4 km vom Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ entfernt

Die Landschaft oder das Landschaftsbild ist keine subjektive Geschmacks- oder Ansichtssache, das Landschaftsbild ist ein Schutzgut, wie man im Bundesnaturschutzgesetz nachlesen kann:

§1 Bundesnaturschutzgesetz: Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich […] zu schützen, […] (4) Zur dauerhaften Sicherung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie des Erholungswertes von Natur und Landschaft sind insbesondere Naturlandschaften und historisch gewachsene Kulturlandschaften, auch mit ihren Kultur-, Bau- und Bodendenkmälern, vor Verunstaltung, Zersiedelung und sonstigen Beeinträchtigungen zu bewahren,[…]

Die Wirklichkeit sieht allerdings häufig völlig anders aus. Historische Kulturlandschaften werden mit monströsen Windkraftanlagen überbaut, nicht für die „Rettung des Klimas“, sondern um die üppigen Subventionen aus dem Erneuerbare Energien Gesetz oder die Gewerbesteuer abzuschöpfen. Eine übergreifende Raumplanung findet gar nicht mehr statt, jedes Ratsgremium einer kleinen Kommune kann heute über Standorte riesiger Windparks entscheiden, die dann nur wenige Kilometer voneinander errichtet werden. Die Raumordnung gerät so nicht nur unter die Windräder, sondern auch unter den engen Blickwinkel von Lokalpolitikern mit sehr eingeschränkter  Kirchturmperspektive.  Heimatvereine, die vorgeblich den Schutz und die Bewahrung der Heimat betreiben, schweigen oft dazu. Der Windpark Utgast in der Gemeinde Holtgast ist einer von vielen weithin sichtbaren Beispielen.

Dipl.Ing. Wilhelm Breuer ist Landschaftspfleger, Lehrbeauftragter für Planungs- und Naturschutzrecht an der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der Hochschule Osnabrück sowie Geschäftsführer der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V. (EGE). Er hat sich beruflich ausführlich mit dem Landschaftsbild  beschäftig und seine Sicht der Dinge, gerade auch im Hinblick auf den Bau von Windkraftanlagen, in einem bemerkenswerten Aufsatz festgehalten, den Sie hier nachlesen können: Landschaftsbild_Breuer_2013

Link: Wie eine Landschaft unter die Windräder gekommen ist

(Der Beitrag erschien zeitgleich in ähnlicher Form auf der WebSeite des Wattenrates Ostfriesland: www.wattenrat.de)

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